Was sind Koi-Karpfen?

Der Koi gehört zur Familie der Karpfen und wird in erster Linie als Zierfisch gezüchtet. Heutige Züchtungen kommen hauptsächlich aus Japan, woher der Koi auch seinen Namen hat. „Nishikigoi“ bedeutet wörtlich „Brokatkarpfen“. Koi oder in Zusammensetzung auch -goi ist der allgemeine Begriff für Karpfen. Wertvolle Züchtungen findet man aber auch in Israel, Singapur und Südafrika.

Die ursprüngliche Herkunft des Koi ist noch umstritten. Als Ursprungsgebiete werden das Schwarze Meer, die Donauregion, Gewässer in Japan oder der Volksrepublik China angenommen. China gilt als das älteste Fischzuchtland der Welt. Es gibt Überlieferungen, denen zu Folge der Farbkarpfen schon vor 2500 Jahren bekannt war. Er soll im Zuge der Flusskarpfenzucht entstanden sein. Aufzeichnungen über mehrfärbige Karpfen sollen sich auch in einem chinesischen Klassiker über Fischzucht finden, dessen Entstehungszeit auf 316 bis 265 vor Christus zurückgeht. In China galt der Karpfen als Symbol für Stärke, in Japan steht er für Freundschaft und Liebe. Er gilt auch als beliebtes Motiv der japanischen Tattookunst.

Im 18. Jahrhundert wurde der Gemeine Karpfen von Reisbauern in der schwer erreichbaren Region Niigata als Nahrungsmittel gezüchtet. In der Abgeschlossenheit der Region konnten sich neue Formen des Karpfens entwickeln. Die ersten farblichen Abweichungen waren Rot, Weiß und Gelb. 1914 gewannen Farbkarpfen bei einer Ausstellung in Tokio den zweiten Preis, wodurch die Öffentlichkeit auf sie aufmerksam wurde. Der damalige Kronprinz Hirohito, der auch Biologe war, erhielt sieben der ausgestellten Koi als Geschenk. Die beiden Ereignisse zusammengenommen trugen wesentlich zum Durchbruch der Koizüchtung bei. Mittlerweile werden sie hauptsächlich aus dekorativen und Prestigegründen gezüchtet und erzielen auf dem Markt hohe Preise. Der Europreis eines hervorragenden Koi kann sich bis in fünfstelligen Bereichen bewegen.

Koi werden unterschieden und beurteilt durch ihre Farbe, ihr Muster und ihr Schuppenkleid. Die Namensgebung der einzelnen Arten und Unterarten bezieht sich in den meisten Fällen auf eines oder mehrere dieser Kriterien. Koi werden in den Farben Weiß, Rot, Schwarz, Gelb, Blau und Creme gezüchtet. Sumi nennt man die ebenfalls ausschlaggebenden schwarzen Streifen der Brustflossen, die wie Tuschezeichnungen aussehen. Die bekannteste Koi-Art ist der Sanke, der auf Grund seiner leichten Erkennbarkeit als „typischer“ Koi und somit auch als Statussymbol gilt. Ein weiteres Kennzeichen für Koi sind die deutlich sichtbaren Maul-Barteln, die ihn von großen Goldfischarten leicht unterscheidbar machen.

Es gibt mindestens 16 Hauptvariationen des Koi. Sie gelten als Grundlagen für alle weiterführenden Züchtungen, von denen wiederum um die 100 bekannt sind. Neue Variationen werden laufend dazu gezüchtet. Zu den grundlegenden Hauptvariationen zählen:

  • Der Asagi (hellblau) hat einen blauen Rücken mit hellblau bis weiß umrandeten Schuppen. Sein weißer Kopf, scharlachrote Wangen sowie rote Brust- und Seitenflossen gelten als besonderes Merkmal. Er gehört zu den ältesten Zuchtformen, aus dem viele Unterarten gezüchtet wurden. Zu den bekanntesten gehören: Narumi Asagi, Konjo Asagi, Hi Asagi, Mizu Asagi und Taki Asagi.
  • Shusui (Herbstgrün/reines Wasser) ist ein Asagi mit Doitsu- – zu Deutsch „Spiegelkarpfen“ – Beschuppung. Die Farbenformen sind wie beim Asagi. Seine bekannten Untergruppen sind:
    Hana Sushui, Hi Sushui, Ki Sushui, Perl Sushui, Sanke Sushui und Showa Sushui.
  • Bekko (Schildpatt) soll schwarze Flecken auf einer weißen, roten oder gelben Grundfarbe aufweisen. Das Schwarz darf nicht über den Kopf gehen. Die Brustflossen sollen in der Grundfarbe des Fisches und mit Sumi gezeichnet sein. Bekko werden aus der Taishō-Sanke-Varietät gezüchtet. Weitere bekannte Unterarten sind der: Shiro Bekko (weiße Grundfarbe und schwarze Flecken), der Aka Bekko (rote Grundfarbe), der Ki Bekko (gelbe Grundfarbe) und der Doitsu Bekko (lederartige Haut mit sehr wenig Schuppen).
  • Kawarimono bezeichnet die Gruppe aller nichtmetallischen Koi, die keiner anderen Varietät zugeordnet werden können. Sie müssen ein klares Muster und reine Farben aufweisen. Die Gruppe erweitert sich beständig, da laufend neue Züchtungen hinzukommen. Bekannte Unterarten der einfarbigen Kawarimo sind: Aka Muji, Benigoi, Chagoi, Higoi, Kigoi, Midorigoi, Shiro Muji, Soragoi, Akame Kigoi, Enyu, Oshiba Shigure. Unterarten der Kawarimono mit andersfarbigen Zeichnungen sind: Enyu, Oshiba Shigure, Goshiki, Tsubo Sumi, Karasu, Aka Hajiro, Hajiro, Yotsjiro, Hageshiro und Kumonryo. Bei Akame Kigoi handelt es sich um Albinozüchtungen.
  • Kinginrin (Gold-silberne Schuppen). Im Gegensatz zu den metallischen Koi sind ihre Schuppen mit einer reflektierenden Schicht überzogen, die den Schuppen einen Spiegelreflex verleihen. Die Schuppen können gewölbt oder flach sein. Bekannte Unterarten sind: Kado Gin, Perl Gin-Rin, Diamant Gin-Rin, Beta-Gin, Ginbo, Kinbo, Ginsui, Kinsui, Gin Kabuto, Kin Kabuto.
  • Kōhaku: Er gehört zu den ersten Varietäten, die gezielt gezüchtet wurden. Den roten Zeichnungen (Hi) auf weißer Grundfarbe verdankt er seinen japanischen Namen. Kōhaku heißt wörtlich übersetzt „Rot-Weiß“. Der Verlauf der roten Farbe geht über Kopf und Rücken. Eine rote Färbung des Kopfes ist Bedingung für einen korrekten Kōhaku. Die Flossen sollten jedoch auf keinen Fall Rot aufweisen. Bekannte Unterarten sind: Tanchō Kōhaku. Inazuma Kōhaku, Nidan Kōhaku, Sandan Kōhaku, Yondan Kōhaku, Godan Kōhaku, Maruten Kōhaku, Menkaburi Kōhaku, Kuchibeni Kōhaku, Kanoku Kōhaku, Doitsu Kōhaku. Besonders leicht erkennbar ist der Tanchō Kōhaku mit seinem kreisrunden Hi auf dem Kopf, das die japanische Flagge darstellt und der Inazuma Kōhaku. Inazuma bedeutet Blitz. Sein Hi ist zickzackförmig auf dem Rücken angeordnet.
  • Sanke: der Sanke oder Taishō Sanke bzw. Taishō Sanshoku gehört zu den ältesten Züchtungen, die schon zwischen 1868 und 1912 auftraten. Er findet in Europa großen Anklang, da seine Art als „typischer“ Koi gilt. Sanshoku bedeutet dreifarbig. Der Sanke zeichnet sich durch eine weiße Grundfarbe aus sowie rote und schwarze Flecken, die sich klar vom restlichen Muster abzeichnen sollen und auch nicht am Kopf erscheinen dürfen. An den Brustflossen finden sich Sumi-Streifen. Weitere Unterarten sind der: Aka Sanke, Budo Sanke, Tancho Sanke, Maruten Sanke, Kuchibeni Sanke, Fuji Sanke und Doitsu Sanke.
  • Shōwa Sanshoku oder Shōwa Sanke hat rote und weiße Flecken auf einer schwarzen Grundfarbe. Ursprünglich war das Rot die dominierende Farbe, der Anteil an Schwarz und Weiß sollte einander ausgleichend vorhanden sein. Shōwa wird ebenfalls mit dreifarbig übersetzt. Zu seinen bekanntesten Unterarten zählen: Hi Shōwa, Boke Shōwa, Tanchō Shōwa, Kindai Shōwa, Koromo Shōwa und Doitsu Shōwa.
  • Tanchō wörtlich übersetzt „roter Scheitel“. Tanchō erkennt man an ihrem roten Fleck (Hi) auf dem Scheitel, der in seiner Form rund, oval, rautenförmig oder herzförmig sein kann. Die Grundfarbe ist weiß. Tanchōs sind vor allen Dingen außerhalb Japans sehr beliebt. Bekannte Unterarten sind der Tanchō Kōhaku, Tanchō Sanke und der Tanchō Shōwa.
  • Utsurimono oder Utsuri soll der Asagi-Linie entstammen. Er hat eine schwarze Grundfarbe und gleichmäßig über den Körper verteilte Flecken, die in den Farben Weiß, Rot oder Gelb vorkommen dürfen. Die Brustflossen enthalten Sumi. Sein Name bedeutet „Harmonie-Sorte“. Zu den weiteren Untergliederungen gehören: Shiro Utsuri, Hi Utsuri, Ki Utsuri und Doitsu.
  • Besonderer Beliebtheit erfreuen sich auch die Butterfly-Koi. Sie sind eine Mischung aus Koi und Asiatischen Karpfen. Die überdurchschnittliche Größe ihrer Flossen und ihre ausgefranste Form verleiht ihnen ihr unverwechselbares drachenähnliches Aussehen. Ein- bis dreifarbige Varietäten sind für diese Unterart üblich. Sie treten in folgenden Farben auf: Rot, Weiß, Schwarz, Blau, Gelb, Orange, Grün, Silber und Gold sowie metallisch glänzend.

Koi sind robuste Fische, die bei guten Bedingungen ein Alter von 50 Jahren erreichen können. Vereinzelte Exemplare wurden sogar über 200 Jahre alt. Koi vermehren sich gut in Anlagen, die Keimfreiheit bieten. Sie sind Kaltwasserfische, die bei Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad gut gedeihen. Zu lange, kalte Winter wirken sich beeinträchtigend auf ihr Immunsystem aus. Die Haltung in glasklarem Wasser, wie es bei Koiliebhabern gewöhnlich der Fall ist, ist für die japanische Aufzucht ungewöhnlich. In Japan werden die Fische in großen Naturteichen mit Steinen und Pflanzen gehalten, da sie dort besonders gut gedeihen, obwohl die durch ihre Färbung auffälligen Tiere dort auch für ihre natürlichen Feinde wie z.B. Reiher leichter erreichbar sind. Erschwerend für die Zucht ist auch die Anfälligkeit für Parasiten, die durch die dichte Haltung der Fische entsteht. In kaltem Wasser haben Krankheitserreger zwar weniger Überlebenschancen, trotzdem sind die Tiere vor Krankheiten nicht geschützt, da die enge körperliche Nähe Ansteckungen begünstigt. Beste Voraussetzungen bietet das Verhältnis von einer Wassermenge von 1000 Litern zu einem Exemplar. Allerdings sollte man in einem Teich mindestens 4 bis 5 Tiere halten. Um Pilzinfektionen und andere Bakterienübertragungen zu verhindern, benutzen Züchter Ablaichbürsten für die Fortpflanzung. Diese ersetzen Wasserpflanzen, die Karpfen zum Ablegen ihrer Eier benötigen.

Einer der gefährlichsten Krankheitserreger für den Farbkarpfen ist der Koi-Herpes-Virus. Er gehört in Deutschland seit 2005 zu den anzeigenpflichtigen Seuchen. Abhängig von unterschiedlichen Faktoren wie Stress oder Kondition des Fisches, liegt die Inkubationszeit zwischen einer Woche und mehreren Monaten. Der Virus verursacht seuchenartige, akut bis subakut verlaufende virale Infektionskrankheiten. Der Krankheitsverlauf ist unspezifisch und wird daher nur schwer erkannt. Viele der Symptome werden durch andere Krankheiten überdeckt oder treten als Sekundärinfektion in Erscheinung. Dazu gehören unter anderem schlechte Wasserwerte oder bakterielle Krankheiten. Generell kann man sagen, dass die größte Gefahr bei Wassertemperaturen zwischen 8 und 25 Grad Celsius liegt. Man geht davon aus, dass sich das Virus den europäischen Gegebenheiten angepasst hat. Keine Ansteckung wurde bei Temperaturen von über 30 und unter 4 Grad (In-vitro-Bedingungen) verzeichnet.

Bei idealer Ernährung können Koi Größen bis zu einem Meter erreichen. Entscheidend für das Wachstum bzw. die Geschwindigkeit des Wachstums sind Größe und Wassertemperatur des Teiches. Die Temperatur sollte zwischen 14 und 18 Grad Celsius im Frühling, 20 und 26 Grad im Sommer, 15 und 20 Grad im Herbst und mindestens 4 Grad Celsius im Winter betragen. Einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Koi hat auch die Wasserqualität. Zu beachten sind neben dem Sauerstoffgehalt des Wassers vor allen Dingen seine Nitrit-, Ammonium- und pH-Werte. Um dies zu gewährleisten, sind regelmäßige Kontrollen und sorgfältige Filterungssysteme unabdingbar.